Den Gefallenen zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung!

Im Sinne dieses Leitspruches, der auf dem Marmormedaillon des neuen Kriegerdenkmales eingemeißelt ist, luden die Michelsburger Schützen von St. Lorenzen am Sonntag, den 15. September 2002 , zur Segnung des neuen Mahnmales an der Pfarrkirche im Friedhof ein. Die Michelsburger Schützen, sowie die zweite Kompanie der Gemeinde, die Georg Leimegger Schützen aus Onach, marschierten bewaffnet mit Säbel und Karabiner zur Feier im Friedhof ein, wo bereits andere Formationen Aufstellung genommen hatten. Nach dem Einzug der Geistlichkeit und der getragenen musikalischen Einstimmung durch die Musikkapelle St. Lorenzen, konnte Oberleutnant Georg Messner, im Namen der Kompanie, viele Ehrengäste und Abordnungen begrüßen. Sein Willkommen galt besonders Herrn Pfarrer Anton Messner, dem Bürgermeister der Marktgemeinde Helmuth Gräber und den anwesenden Assessoren und Gemeinderäten, dem Projektanten und ausführenden Künstler des neuen Kriegerdenkmals – Herrn Franz Rigo (ein Lorenzner), Kapellmeister Matthias Hilber und Obmann Franz Lahner von der Musikkapelle, von der Kriegsgräber-Fürsorge den Präsidenten des ÖSK-Zweigstelle TIROL, Hans Ullmann aus Innsbruck, sowie den Präsidenten des SSK- Hans Duffek aus Bozen mit seinem Ausschuss, alle Präsidenten der Südtiroler Kriegerfriedhöfe mit ihren Begleitern, die Fronkämpfer-Verbände aus Nah und Fern. Ein besonderer Gruß galt unserem Freund, Major Richard Stoll mit seinen Bezirksoffizieren, allen Abordnungen der Schützen, speziell den Freunden der Partnerkompanie Außervillgraten, der Kaiserjäger-Abordnung aus Latsch, sowie den Obmännern der örtlichen Vereine und allen Einheimischen und Gästen. Danach dankte der Bürgermeister dem Künstler für die gelungene Arbeit und übergab der Schützenkompanie offiziell das Kriegerdenkmal zur weitern Pflege und Betreuung. Nach dem Lied „Näher mein Gott zu dir“ fand Pfarrer Messner treffende Worte und erbat den Segen Gottes über dieses Mahnmal. Es war eine schöne, würdige Feier und die Bevölkerung schien beruhigt und zufrieden mit diesem Abschluss der lang andauernden Denkmal-Polemik.

Dem war einmal nicht so:
Als vor zirka 10 Jahren das Pfarrwidum von St. Lorenzen, unter Pfarrer Johann Gruber, renoviert wurde, musste das alte Heldengrab an der Friedhof-Außenmauer dem Umbau weichen. Der Pfarrer versprach uns Schützen anderweitig ein neues Denkmal zu erstellen. Einige interessante Entwürfe wurden vom Friedhofskomitee nicht genehmigt, bis Franz Rigo das Marmor-Medaillon entwarf. Pfarrer Gruber stellte uns vor die Wahl: „Dieses Zeichen oder nichts“. Steinmetz Martin Fuchsbrugger aus Sand in Taufers fertigte das gelungene Werk aus Marmor und am 2O. Mai 1995 wurde die Scheibe, mit Hilfe und Kosten der Schützen, an die raue Widummauer im Friedhof angebracht. Wir erwarteten ein passendes Drumherum von Kletterpflanzen, Einfriedung, Laterne und Weihwasserkrug. Pfarrers Antwort: “Da kommt nichts hinzu“. Bald empörten sich nicht nur die Kriegsteilnehmer, sondern auch der Grossteil der Dorfbevölkerung von St. Lorenzen. „Mühlrad oder Spinnrad „ wurde das Medaillon genannt und auch der Standort neben dem Eingang zu den WC wurde beanstandet. Auch wollte man jetzt die Nahmen aller Gefallenen angebracht haben. Nach vielen Streitsitzungen erreichte man, dass Künstler Franz Rigo die Planung erweiterte und vollendete. Ein passender Standort konnte dem Pfarrer abgerungen werden. Die Gemeindeverwaltung übernahm die Kosten und die Arbeit wurde einem Kunstschmied übergeben. Der Künstler war aber mit dessen Arbeit nicht einverstanden und entzog dem Meister die Arbeit. Die Polemik ging weiter. Inzwischen war Pfarrerwechsel und dem neuen Seelsorger Anton Messner gelang es bald die Gemüter zu besänftigen. Der Künstler Rigo Franz übernahm die Arbeit selber und wollte das Denkmal bis Allerheiligen erstellt haben. Da er kein gelernter Kunstschmied war, musste er sich das Können erst aneignen. Aber zur Verwunderung und allem Respekt ist ihm das künstlerische Werk hervorragend gelungen und steht heute an einem passenden, würdigen Platz im Friedhof von St. Lorenzen.

Nach der Segnung des Mahnmales marschierten alle Formationen zur traditionellen Gedenkfeier in den Kriegerfriedhof „Klosterwald“, wo Alle Aufstellung nahmen und an einer würdigen Messfeier teilnehmen konnten. In den Ansprachen konnten Pfarrer Anton Messner und Präsident des ÖSK Hans Ullmann passende Worte zu den ehemaligen Kriegswirren und zur dringenden Erhaltung des Friedens finden. Nach den Ehren-Salven, den Kranzniederlegungen durch Frontkämpfer und Schützen und dem Lied „Vom Guten Kameraden“, verabschiedete das kleine Glöcklein von der Klosterwald-Kapelle die farbenprächtige Schar. Nach dem Rückmarsch auf den Kirchplatz erfolgte der Marsch „Mein Heimatland“ und später senkten sich die vielen Fahnen zur Landeshymne. Anschließend begab man sich in den Saal des Vereinshauses, wo nach einer schneidigen Fanfare, der Vorstand der Südtiroler Kriegsgräber-Fürsorge, verdiente Mitglieder mit dem Ehrenzeichen für Verdienste um die Pflege der Heldenfriedhöfe auszeichnete. Auch die Frauen – Regina Kammerer und Cäcilia Neumair von St. Lorenzen, erhielten das Ehrenkreuz am Bande für ihre ehrenamtliche Arbeit im schmucken „Klosterwald“. Allen die sich an den Feiern beteiligt haben, wurde von den Schützen eine kleine Stärkung verabreicht und mit einem kameradschaftlichem Beisammensein endete der traditionelle Gedenktag für die Gefallenen am „Klosterwald-Sonntag“!

N.B.: In zwei Jahren – am dritten Sonntag im September 2004 – Hundert-Jahr-Feier zur Einweihung der Klosterwaldkapelle - am 18. Sept. 1904 - !

Michelsburger Schützenkompanie St. Lorenzen
Oberleutnant: G e o r g M e s s n e r
 

Zurück